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Tausche Zeitung gegen halben Liter Magermilch

Tausche Zeitung gegen halben Liter Magermilch
Gretel Schmalz aus Jettenbach trägt seit fast 50 Jahren die RHEINPFALz aus

von anja schuster

Es wäre wie das fehlende Salz in der Suppe, wenn Gretel Schmalz morgens um 4.30 Uhr die Haustür aufschließt und die 200 RHEINPFALZ-Ausgaben würden nicht dort liegen. Ihr Tag könnte nicht beginnen; plötzlich wäre alles, aber auch alles anders. Denn seit fast 50 Jahren trägt Gretel Schmalz die RHEINPFALZ aus. Im Morgengrauen macht sie sich auf den Weg, genießt die Frische in der Luft und lauscht „soooo gern" dem Vogelgezwitscher.

Das konnte sie aber nicht immer. Als sie nämlich als kleines Mädchen, mit gerade achteinhalb Jahren 1945 anfing, ihrer Mutter bei deren Job zu helfen, kam die RHEINPFALZ erst am Nachmittag ins Dorf. Während die anderen Kinder also nach der Schule spielten, schnappte sich die waschechte Jettenbacherin einen Packen Zeitungen und marschierte los. 1956, mit 19 Jahren, übernahm sie den Job von der Mutter. „Damals waren die Leute, wenn man die Zeitung eingesteckt hat, zu Hause, man konne immer einen Plausch am Gartenzaun halten", erinnert sie sich. Das ist nun anders. In aller Herrgottsfrühe trifft sie keinen Leser an.

Kassieren könnte sie demzufolge auch nicht mehr. Bis vor 20 Jahren wurde das beim Austragen noch mit erledigt. 20 Pfennig knöpfte Gretel Schmalz den Abonnenten pro Zeitung ab. Bei diesem Stichwort erinnert sie sich daran, dass ein Lehrer sie am Gartentor oftmals getestet hat, wie gut sie rechnen könne. Er gab ihr fünf Mark, sie musste schnell im Kopf das Rückgeld errechnen. Kein Problem - vergessen hat sie den strengen Prüfer aber nicht.

Ebenso hat sich folgende Geschichte tief in die Erinnerungen von Gretel Schmalz gebrannt: Mit dem Milchauto kamen in den 50er und 60er Jahren die Zeitungen; im nächsten Ort mussten sie und ihre Mutter die Exemplare abholen. Und manchmal, wenn der Durst ganz groß war, tauschte Gretel Schmalz, heute 68 Jahre alt, mit dem Fahrer eine Zeitung gegen einen halben Liter Magermilch. Heimlich. Das stärkte.

Denn in Jettenbach , einem kleinen Örtchen im Kreis Kusel, ist das Austragen schon immer etwas beschwerlich gewesen, weil es so bergig ist, weil kaum Wohnblöcke existieren, in denen mal schnell 20, 30 Zeitungen eingeworfen werden können. Stattdessen müssen Gretel Schmalz und ihr Mann, der ihr seit zehn Jahren hilft, jeweils drei, vier Kilometer laufen. Bergauf, bergab, bergauf, bergab - das hat sich nicht geändert.

Was damals alles in eine Tragetasche gepackt wurde, steckt sie heute in Wagen. „Einfacher ist das nicht, außerdem sind die Zeitungen schwerer, weil dicker, geworden", erzählt sie. Wind und Wetter machen ihr nichts aus; haben ihr noch nie etwas ausgemacht. „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung." Und wenn sie nach dem Zustellen mal wieder durchgefroren nach Hause kommt, verschwindet sie noch mal im Bett - erst dann liest sie selbst die RHEINPFALZ.

BOLZG / BOLZG
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Ludwigshafener Rundschau
Datum: Nr.227
Datum: Donnerstag, den 29. September 2005
Seite: Nr.1035
Präsentiert durch MSH-Web:digiPaper


eingestellt : 29.09.2005

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