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vor 40 jahren Über 2500 freiwillige Arbeitsstunden erbracht

JETTENBACH : Eine Gruppe engagierter Bürger sorgt dafür, dass ein Freibad entsteht

Von unserem Mitarbeiter

Rudi Lanzer

2006 gibt es wieder einige Schönheitsoperationen am Jettenbacher Freibad: Die Wände und der Boden werden mit einer Folie verkleidet. Solche Pflegeeinheiten sind bei einem in die Jahre gekommenen Freibad-Veteranen eben ab und zu nötig. Den 40. Geburtstag kann er in diesem Jahr begehen, weswegen die neue Badesaison mit einem kleinen Fest eröffnet werden soll. Die Jettenbacher haben auch allen Grund zu feiern, hatten sie es sich doch damals redlich verdient, endlich in die kühlen Fluten springen zu können.

Die Initialzündung dazu kam damals nämlich nicht von der Gemeinde, sondern von einer Gruppe engagierter Bürger. Die Gemeindevertretung hatte ein Jahr zuvor, im März 1963, beschlossen, den vom Reichsarbeitsdienst nach 1933 gebauten Brandweiher als Fischweiher zu verpachten. Und damit waren etliche Dorfbewohner gar nicht einverstanden. So kam es dann zu einer Zusammenkunft von tatkräftigen Dorfbewohnern. Dabei erklärten sich 69 Jettenbacher durch ihre Unterschrift bereit, den Weiher in Gemeinschaftsarbeit instand zu setzen. Getreu dem Motto: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Die sich da so unternehmungslustig gaben, sorgten mit großem Eifer dafür, den gefassten Plan in die Tat umzusetzen. Zuvor hatte allerdings der Gemeinderat noch ein Wörtchen mitzureden: Er musste dem Antrag der gebildeten Gruppe stattgeben, die Arbeiten überhaupt ausführen zu dürfen. Grünes Licht für eine Instandsetzung wurde zwar signalisiert, aber auch darauf hingewiesen, dass von der Gemeinde keine finanzielle Hilfe zu erwarten sei.

Doch diese Einschränkung konnte die Jettenbacher nicht abhalten, die freiwilligen Arbeiten für die Renovierung des Brandweihers in Angriff zu nehmen. Die Arbeitsgemeinschaft wählte dazu einen verantwortlichen Ausschuss. Dieser setzte sich aus dem ersten Vorsitzender Klaus Leonhard, dem zweiten Vorsitzenden und Schriftführer Detlef Bojak, dem dritten Vorsitzenden Kurt Leonhard sowie den Beisitzern Karl Scheid, Hans Fickert und Willi Wendel zusammen.

Zunächst mussten die versumpften Wiesen in der Au trockengelegt werden. Den ersten Einsatz unterstützte eine amerikanische Arbeitseinheit mit Hubladern, Greifbaggern und Lastwagen. Am 2. Mai 1965 wurden rund 500 Kubikmeter Schlamm aus den Becken herausgeholt und abgefahren. Am Tag darauf trat die Jettenbacher Feuerwehr auf den Plan und pumpte gewaltige Wassermassen durch die Schläuche, um das Becken gründlich zu reinigen. Dann wurde erst deutlich, auf welch ein Abenteuer sich die Arbeitsgemeinschaft da eingelassen hatte: Denn es musste mehr repariert werden als eigentlich vorgesehen war. Die Bruchsteinmauerwerk-Umfassungen waren teilweise eingestürzt oder lose im Gefüge. Der Betonboden war mit großen Rissen übersät und aufgebrochen.

Nun wurde klar, dass die Finanzierungsfrage über den Fortgang der Arbeiten entscheiden würde. Mit der von Bauingenieur Bojak erstellten Planung wurde der Landkreis um finanzielle Hilfe gebeten. Das Landratsamt, das die bis dahin geleisteten Arbeiten der Bürger anerkannte, bewilligte einen Zuschuss von 8000 Mark und setzte sich dafür ein, dass das Mainzer Sozialministerium eine weitere Finanzhilfe in Höhe von 10.000 Mark bereitstellte. Mit diesen finanziellen Unterstützungen konfrontiert, stellte nun auch die Gemeinde in einem Nachtragsetat weitere 2800 Mark bereit. Nun galt es für die Arbeitsgemeinschaft, den fehlenden Betrag von 20.000 Mark in Form von Eigenleistungen zu erbringen.

Vom Sommer bis zum Wintereinbruch 1965 fanden sich an den Feierabenden und Wochenenden die freiwilligen Helfer an der Schwimmbad- Baustelle ein. „Der größte Teil der Bewohner legte Hand an", war dann in einem RHEINPFALZ-Bericht im Oktober 1965 unter der Überschrift „Jettenbachs Freibad im nächsten Jahr fertig" zu lesen. Im Sommer und Herbst 1965 stellten ortsansässige Landwirte ihre Schlepper und Wagen zur Verfügung, ermöglichten so die Anfuhr von Steinen, Sand, Splitt und den Abtransport des Erdaushubs.

An der Großbaustelle wurden bald die Umrissen eines Freibades ersichtlich. Betonwände wurden vor den desolaten Umfassungen erstellt, eine neue Bodenplatte betoniert und vieles mehr in Angriff genommen. Auch wurden um die Beckenwände Drainagerohre verlegt. Ein zweiter Großeinsatz einer US-Einheit mit mächtigen Fahrzeugen sorgte für Transport und Planierung von 500 Kubikmetern Erdreich, mit dem das Umfeld um das Bad und die Liegewiese gestaltet wurden.

Ein zweiter Bauabschnitt folgte im Frühjahr 1966. Denn es galt, Trennzäune im Becken zu errichten, Parkmöglichkeiten zu schaffen und einen kleinen Kinderspielplatz anzulegen. Dann wurde noch das Gelände eingezäunt, Umkleidekabinen und Toiletten errichtet.

Über 2500 freiwillige Arbeitsstunden hatten die Jettenbacher erbracht. Die freiwilligen Helfer hatten in ihrem Eifer ausgeharrt und nie den Mut verloren, auch wenn es einmal nicht vorwärts zu gehen schien. Im Sommer 1966 war es dann soweit, dass die Dorfbewohner ihr Freibad aufsuchen und zum Badevergnügen nutzen konnten. Die Freude bei Jung und Alt war riesengroß.

Das Freibad Jettenbach wurde neun Jahre später, 1975, zum heißen Thema in Orts- und Verbandsgemeinderatssitzungen und bei einer Bürgerversammlung. Die Verbandsgemeinde Wolfstein sollte das Jettenbacher Freibad übernehmen, lehnte dies aber erst einmal ab. Dann wurde doch einer Übernahme zugestimmt, wobei festgestellt wurde, ohne hauptamtlichen Schwimmmeister sei ein Badebetrieb nicht aufrechtzuerhalten. Die Einstellung eines Bademeisters sei jedoch aus wirtschaftlichen Erwägungen nicht vertretbar. Eine Reduzierung der Wassertiefe auf maximal 1,30 Meter kam ins Gespräch und wurde verworfen.

Dann zeigte sich erneut, dass die Jettenbacher auch prekäre Situationen meistern konnten: DLRG-Mitglieder und gute Schwimmer übernahmen abwechselnd die Badeaufsicht. Dank dieser freiwilligen Einsätze musste der Badebetrieb nicht eingestellt werden.

MEYERC / MEYERC
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Westricher Rundschau
Datum: Nr.4
Datum: Donnerstag, den 05. Januar 2006
Seite: Nr.14
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eingestellt : 01.02.2006

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