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Auf „Schleudersitz" gelandet - und binnen kurzem fest im Sattel

Pfarrer Matthias Schwarz nimmt nach zehn Jahren seinen Hut und wirkt künftig als Dekan in Otterbach - Morgen großes Abschiedsfest

Von Christian Hamm

Eines schönen Abends Ende Juni:

Bei einem jungen Ehepaar klingelt das Telefon. Der Anruf kommt alles andere als unerwartet - und soll Klarheit bringen, wie es weitergehen wird. Wo der junge Mann künftig beruflich wirken soll, wohin das Paar seinen Lebensmittelpunkt verlagern wird. Doch als Matthias Schwarz den Namen des Ortes hört, klappt ihm erst mal glatt die Kinnlade "runter. Mit allem hätte er gerechnet, nur damit nicht. „Ich war echt geschockt", räumt Schwarz heute - gut zehneinhalb Jahre später - unumwunden ein.

Die Aufregung legt sich jedoch recht schnell. Und Matthias Schwarz beschließt, sich der großen Herausforderung zu stellen. Das Ganze als Chance zu begreifen, das Beste daraus zu machen. Wie gut ihm das gelingen sollte, das hätte er sich damals wohl selbst nicht zu träumen gewagt.

Längst schon fühlt sich Matthias Schwarz in der Pfarrei Jettenbach - zu der auch die Gläubigen in Bosenbach, Niederstaufenbach und Kollweiler gehören - ungemein wohl. Und eigentlich wollte er überhaupt nicht weg. „Ich wäre nie woanders hingegangen, als Pfarrer in eine andere Gemeinde", versichert der 40-jährige Seelsorger. Alleine die berufliche Herausforderung, der Karrieresprung war es, der ihn veranlasst hat, seiner Kirchengemeinde den Rücken zukehren. Matthias Schwarz verlässt Jettenbach , weil sich ihm eine große Chance geboten hat: Am 1. Februar wird er das Amt eines Dekans antreten und fortan die Geschicke des Kirchenbezirks Otterbach wesentlich mitlenken. Wenn nun dies für den Theologen auch noch so erfreulich ist, so wird Schwarz morgen doch mit zumindest einem weinenden Auge Abschied von den Menschen in seiner ihm so lieb gewordenen Gemeinde nehmen.

Bei einem Festgottesdienst sagt Pfarrer Schwarz morgen Nachmittag Lebewohl. Und es bedarf keiner übersinnlichen Fähigkeiten, um vorhersagen zu können, dass die - ja bekanntlich nicht gerade kleine - protestantische Kirche zu Jettenbach morgen um 14 Uhr proppenvoll sein wird. In gebührendem feierlichen Rahmen verabschiedet die Kirchengemeinde einen Pfarrer, der unglaublich große Sympathie genießt. Der durch sein Wesen, durch seine stets freundliche, offene wie verständnisvolle Art die Herzen der Gemeindemitglieder erobert hat.

Alle möglichen Stellen abgeklappert

Rückblende zu jenem Abend im Juni 1994: Gerade mal einen Tag vor ihrer „Premiere" als frisch gebackene Pfarrer erfahren die Vikare der evangelischen Kirche der Pfalz, wo sie tags darauf ihre erste Pfarrstelle antreten werden. Kurz zuvor noch hat der damals 30-jährige Schwarz seine Frau Tanja ins Auto gepackt und mit ihr die in Frage kommenden Gemeinden abgeklappert. Wohl wissend, in welchen Pfarreien die Seelsorger-Stelle gerade vakant ist, hat das Ehepaar von Speyer über Dahn bis Heiligenmoschel Dörfer, Pfarrhäuser und Kirchen besichtigt. Hier könnt"s vielleicht sein, dort womöglich das zukünftige neue Zuhause liegen. Ortsschild und Kirche von Jettenbach haben die Schwarz" damals wohlweislich nicht angesteuert.

Denn es war angeklungen, dass die Stelle des Pfarrers in Jettenbach wohl noch einige Zeit unbesetzt bleiben wird. Nicht lange zuvor erst war der dort tätige Gemeindepfarrer gegangen. Der Streit ums „Eiserne Kreuz" hatte damals für einiges Aufsehen gesorgt. Schwarz" Amtsvorgänger hatte mit Vehemenz darauf beharrt, dass ein Kreuz - in Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs Anfang der Zwanziger Jahre überm Altar aufgehängt - aus der Kirche verschwinden solle. Mit diesem Ansinnen biss er allerdings auf Granit. Und gab angesichts des Widerstands von Gemeindemitgliedern schließlich auf.

Die Vorgänge waren natürlich auch in Speyer ein heiß diskutiertes Thema. Und deswegen wollte keiner der angehenden Pfarrerinnen und Pfarrer unbedingt in die westpfälzische Gemeinde. Zumal die meisten sowieso eher die Vorderpfalz oder eine Stadtgemeinde bevorzugt hätten. Auch der in Böhl-Iggelheim geborene Schwarz.

Nur: ihn entsandte der damals für personelle Fragen zuständige Oberkirchenrat und heutige Kirchenpräsident Eberhard Cherdron eben dorthin. Und er tat damit einen echten Glücksgriff.

In Kirchenkreisen habe Jettenbach als „Schleudersitz" gegolten, sagt Matthias Schwarz schmunzelnd. Und tatsächlich hatten es die Pfarrer zuvor nicht allzu lange ausgehalten. Allerdings lag dies wohl kaum an den Menschen dort. Vielmehr hatten einige Hirten das Ihre dazu beigetragen, dass sie gehen mussten oder aus eigenen Stücken besser gingen. Und so ist Schwarz der Pfarrer mit der längsten Amtszeit in Jettenbach seit über 100 Jahren. Seit 1900 hat keiner mehr so lange das Amt in der Gemeinde ausgeübt.

Schwarz hatte sich vorgenommen, den Menschen vollkommen vorurteilsfrei zu begegnen. Und er merkte nur zu schnell, dass der Ruf, der der Gemeinde in Kirchenkreisen vorauseilte, mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmte. Schnell hatten sich die Wogen geglättet. Schwarz kam, sah und siegte. Von Anfang an war"s Sympathie, die auf Gegenseitigkeit beruhte. Der neue Pfarrer wurde prima aufgenommen, verstand sich schnell mit den Gemeindemitgliedern in Jettenbach wie in Bosenbach, in Niederstaufenbach wie in Kollweiler.

Von der Struktur her ist die Pfarrei mit ihren vier Predigtstellen in vier Orten, die zudem kommunalpolitisch drei verschiedenen Verbandsgemeinden und zwei Landkreisen angehören, nicht einfach. Matthias Schwarz hat die Herausforderung gemeistert. Schon nach fünf Jahren war er Senior des Dekanats Lauterecken, also Vertreter des Dekans. Für den Kirchenbezirk sitzt er auch in der Landessynode.

Sein hervorragender Ruf in Speyer führte auch dazu, dass man ihm nahe legte, sich doch für das frei gewordene Dekans-Amt in Otterberg zu bewerben. Obwohl sich dort auch der bisherige Stellvertreter zur Wahl stellte und Schwarz nicht unbedingt als Favorit galt, entschied man sich für ihn. Bezirkssynode, Presbyterium Otterbach, die Pfarrer der zugehörigen Gemeinden - allesamt entschieden sich die Gremien für den jungen Mann aus Jettenbach .

Eine reizvolle Aufgabe erwartet ihn. Matthias Schwarz hat die Gabe, Menschen zu verbinden, Frieden zu stiften. Und betrachtet es als spannende Herausforderung, das Evangelium - die frohe Botschaft - verständlich und bildhaft "rüberzubringen. Die Gläubigen sollten aus dem Gottesdienst kommen mit der Überzeugung, „ich hab de Parre verstann." Als Seelsorger wolle er keinesfalls über den Menschen schweben, sondern einer von ihnen sein.

Schwarz - leidenschaftlicher Musiker - hat in Jettenbach unter anderem die Musikgruppe „Himmel und Erde" aufgebaut. Und im Musikantendorf wird auch sein Abschiedsgottesdienst im Zeichen der Musik stehen. Die Musikvereine sowie die Gesangvereine aus Jettenbach und aus Bosenbach sowie seine eigene Gruppe werden die morgige Feier musikalisch gestalten. Und danach gibt"s bei einem Fest in der Musikantenlandhalle Gelegenheit, Pfarrer Matthias Schwarz persönlich für seine Zukunft alles Gute zu wünschen.

HAMMC / HAMMC
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Westricher Rundschau
Datum: Nr.12
Datum: Samstag, den 15. Januar 2005
Seite: Nr.20
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eingestellt : 17.01.2005

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