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Das seltene Autogramm eines berühmt-berüchtigten Schuhmachers

Detlef Bojak besitzt Original-Schriftzug des „Hauptmanns von Köpenick" - Im Nachlass eines Großonkels entdeckt

Wie kommt ein Original-Autogramm des „Hauptmanns von Köpenick" nach Jettenbach ? Detlef Bojak besitzt ein Signum jenes Wilhelm Voigt, der als „Hauptmann von Köpenick" in die Geschichte eingegangen ist. Doch ist das längst noch nicht alles: In einer „Raritätensammlung", die ihm sein Großonkel Edmund Schäfer, ehemaliger Bahnhofsvorsteher von Dresden, überlassen hat, befinden sich viele Zeitungsseiten über besondere Ereignisse zwischen 1902 und 1988.

In der dicken Mappe befinden sich auch zwei Extraausgaben. Sie tragen den Vermerk „Erscheint sobald nicht wieder" und behandeln auf originelle Art die Geschehnisse um den Hauptmann von Köpenick. Die Sonderausgaben, anno 1906, zu „Köpenick im Lachjahr" erschienen, versehen mit originellen Zeichnungen und lustigen Versen.

Die Nummer 1 war für zehn Pfennige zu haben. Dieses „Erinnerungsblatt" trägt den Titel „Der große Köpenicker Tag", verkündet die „schaurig schöne Begebenheit zu Köpenick a.d. Dahne", und auf ironische Art die „Schauermär vom falschen Hauptmann". „Höret: nie wird es im Leben, Nie und nimmer in der Welt, Wohl ein größerer Gauner geben, Als wie jener O-Bein-Held", lautet einer von 32 Versen im zuerst erschienenen Blatt. In ulkigen Abbildungen werden im Detail der Beginn der Handlung, die Vorbereitung, das Kommando und der Angriff, aber auch die Flucht und die Verhaftung glossiert. „Läßt das Rathaus er besetzen, Mit Soldaten fürchterlich; Schießt mir alles, hört, in Fetzen, Falls nur einer mucket sich". So wird munter weiter gereimt. An anderer Stelle wird behauptet: „Unser Wicht stürmt zu den Kassen, Zählet die Moneten her, Streicht das Geld ein, spricht gelassen. Hier ist Quittung - danke sehr". Zum Beweis ist die Quittung abgebildet, die der Schuster Voigt tatsächlich hinterlassen hat.

Dann gibt es die „Doppelnummer" zu 20 Pfennigen als „Köpenicker Gerichts-Zeitung". Es ist das „Erinnerungsblatt an die sensationellste Gerichtsverhandlung aller Zeiten". Die Zeichnungen sind noch witziger und nehmen neben den Hauptmann auch die Obrigkeit aufs Korn. Auch die Ankläger werden dargestellt und der falsche Hauptmann, letzterer gestikulierend vor dem hohen Gericht mit der Forderung: „Herr Gerichtshof, ich verlange vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden." Verteidiger, Staatsanwalt und der „Hauptmann außer Dienst" bekommen in den vielen Versen muntere Sprüche in den Mund gelegt. Der „Held", dann in einer Zelle eingesperrt, seufzt „Endlich allein".

Dann wird den Veröffentlichungen über die Verurteilung noch eins drauf gesetzt: ein Fackelzug. Und dieser wird so beschrieben: „Männer, Knaben, Mädchen, Frauen, Seht"s im Bild, daß es kein Trug, Kommen aus den deutschen Gauen. Ehren Ihn durch Fackelzug." Der Leser durfte sich zudem noch ergötzen an einer Abbildung, die ein imposantes Denkmal zeigt und wem sonst als dem „(Räuber) Hauptmann, Schuster Wilh. Voigt, dem größten Humoristen der Gegenwart" gewidmet war.

Auch seriöse Zeitungen nahmen die Angelegenheit um den Hauptmann nicht besonders Ernst. Sarkastische Seitenhiebe gab es auf den Militarismus. So berichteten die „Dresdner Neue Nachrichten" und die „Nationale Zeitung", ein ungeheuerliches Gelächter sei durch Berlin gegangen, habe sich über Deutschland und sogar über den Ozean ausgebreitet. Die Tragikkomödie stelle alles bisher Dagewesene in den Schatten. Die Tat des Schusters Voigt habe bewiesen, „dass es in Deutschland mehr Torheiten und Verblendung gibt" als vermutet.

Angeprangert wird die Vertrauensseligkeit beim Militärkommando und die Verfolgung des falschen Hauptmannes, der erst Tage später, als die Fahndung ausgedehnt worden war, gefasst wurde. Die Zeitungen berichteten aber auch von einer „korrekten" Empfangsbestätigung, über den geraubten (oder besser den ausgehändigten) Betrag. Denn Wilhelm Voigt hat an der Rathauskasse eine Quittung über den „Empfang von 4 000 Mark" und einigen Pfennigen hinterlassen.

Dennoch kam der „Hauptmann" nicht ungestraft davon. Unter „Berlin, 1.Dezember" (1906) berichteten die Zeitungen: „Der Schuhmacher Wilhelm Voigt, der am 16. Oktober den Gaunerstreich gegen das Köpenicker Rathaus ausführte, ist heute von der 8. Strafkammer des Landesgerichts II zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt worden."

Nun zurück zu dem erwähnten Autogramm. Es wurde mit „Herzlichem Gruß und Dank für freundliches Gedenken" laut Poststempel am 18. August 1918 dem Edmund Schäfer in Dresden auf einer Postkarte zukommen gelassen. Der Empfänger hat an die Karte eine Notiz befestigt, in der es heißt: „Dem Hauptmann von Köpenick sandte ich in das Gefängnis eine Doppelkarte". Die Antwort erhielt Schäfer erst, „als ersterer nach 20-monatiger Haft begnadigt worden war". Das Autogramm war signiert mit „W.V" und „H.v.K." für Wilhelm Voigt und Hautmann von Köpenick. (aze)

LOOKH / LOOKH
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Westricher Rundschau
Datum: Nr.33
Datum: Mittwoch, den 09. Februar 2005
Seite: Nr.11
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eingestellt : 09.02.2005

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